Rational – irrational

Impulse zum Philosophencafé am 27. 1. 2007 / H.P.

 

Definitionsversuche:

 

RATIONAL:

Mit dem logischen Verstand erfassbar und damit auch in Worte fassbar.

Fremdwörterduden: die Ratio betreffend; vernünftig, aus der Vernunft stammend, von der Vernunft bestimmt

 

IRRATIONAL:

Erfüllt eine oder mehrere der folgenden Bedingungen:

-        nicht mit den Sinnen wahrnehmbar

-        nicht mit dem logischen Verstand erfassbar (=„nicht berechenbar“?)

-        nicht kommunizierbar

Fremdwörterduden: a) mit der Ratio, dem Verstand nicht fassbar, dem logischen Denken nicht zugänglich; b) vernunftwidrig

Alternativvorschlag für Dudendefinition a): „TRANSRATIONAL“, das Rationale übersteigend

 

Eine zentrale Frage zu diesem Thema ist die Beziehung der Begriffe „irrational“ und „emotional“ i. S. v. „das emotionale Denken betreffend“.

These: Das emotionale Denken verfolgt auch eine Art von Folgerichtigkeit, die aber vom logisch-rationalen Denken zu unterscheiden ist.

Viele emotionale Vorgänge sind wohl vom Verstand nachvollziehbar, sofern sie bewusst werden. Es stellt sich die Frage, in wie weit diese als rational bezeichnet werden können, bzw. liegt es nahe, verschiedene Arten von „irrational“ gemäß der obigen Definition zu unterscheiden:

-        Über Dinge oder Tatsachen, die weder mit den Sinnen noch indirekt über Messgeräte empirisch feststellbar sind, lässt sich weiter nicht rational argumentieren – sie sind irrational. (Ausnahme: Die logischen Kategorien, Begriffe, Argumentationsstrukturen – unser „Erkenntnisapparat“ selbst, so weit wir uns dessen bewusst werden. – Siehe dazu den erkenntnistheoretischen Ansatz Kants und die evolutionäre Erkenntnis­theorie.)
These:
Hier fallen wesentliche Aspekte des „religiös-metaphysischen“, des „übersinnlichen“ Bereiches hinein. Rationale Argumentation ist hier sinnlos, was nicht bedeutet, dass es diesen Bereich nicht gibt, und dass er nicht wirksam ist.

-        Manche Dinge werden zwar sinnlich, vor allem gefühlsmäßig, erfasst, können aber nur unzureichend oder gar nicht rational erfasst werden. Vor allem viele (alle?) unbewussten Gefühle fallen hier hinein.
Dazu folgende These:
Es gibt einen Anteil der Gefühle und Motive, die irrational sind, nämlich jene, die unbewusst sind, und folglich einen „rationalen“ Anteil der Gefühle und Motive, nämlich jenen, der bewusst wird. Gefühle werden dann bewusst, wenn sie in der Großhirnrinde einer Bewertung unterzogen und somit in die subjektiv-rationale Sicht der Dinge eingegliedert werden.
Interessant ist in diesem Zusammenhang auch das Phänomen des „Rationalisierens“, ein Begriff, der aus der Tiefenpsychologie stammt: Es besteht ein zumeist unbewusster Handlungsgrund, der nachträglich mit einer falschen „rationalen“ Begründung versehen wird.

-        Manche Gefühle werden zwar bewusst, es gibt aber keine sprachlichen Ausdrücke dafür, und sie können deshalb nicht verbal kommuniziert werden.

 

Zu unterscheiden von diesen Begriffen von „irrational“ ist jener Begriff des Wortes, der sich mit „unvernünftig“ umschreiben lässt: Die Realität wird rational gesehen falsch interpretiert. Aber auch hier spielen wohl Gefühle zu einem wesentlichen Teil mit. Die Bewertung einer Handlung als „unvernünftig“ geschieht in der Regel von einer anderen Perspektive aus – entweder durch eine andere als der handelnden Person, oder durch die handelnde Person zu einem späteren Zeitpunkt.

 

Einen hohen Stellenwert hat die Rationalität natürlich im Kontext der Aufklärung. Eine These dazu und zur Beziehung von Gefühl und Verstand: Die Aufklärung hat wesentlich zur Emanzipation des Individuums beigetragen und das „rationalistische Paradigma“ verbreitet. – „Besser denken lernen“ soll somit zum individuellen und gesellschaftlichen Fortschritt beitragen. Dabei wurde das emotionale Denken zu Unrecht vernachlässigt. Womit wir die Aufklärung also ergänzen sollten, ist das „besser fühlen Lernen“. (Tendenzen in diese Richtung sind sichtbar – sie schlagen zum Teil zu stark in die andere Richtung aus, z. B. in der Esoterik.) Eine Integration und gedeihliche Zusammenarbeit von beiden Anteilen ist anzustreben.